Schule braucht Struktur - Mit Augenmaß


 Zitat des Monats

    "Es ist wichtiger, auf einem Pfad gemeinsamer Unsicherheit ethisch zu handeln, als endlose dogmatische Kämpfe um vermeintlich endgültige Wahrheiten zu führen."

(Richard von Weizsäcker)




Die Schulstruktur steht weiter auf dem Prüfstand. Besonders das zwischen den großen Parteien über viele Jahre verhängte Schweigegebot über mögliche Alternativen gehört der Vergangeneit an.

Der Wille zur Preisgabe dogmatischer Bastionen im Wettstreit integrativer und gegliederter Schulstrukturen hat bundesweit an Einfluss gewonnen. Das zeigt der jüngste Schulkonsens von SPD, CDU und den Grünen in Düsseldorf. Mündet der sinnlose "Kulturkampf" um Glaubenssätze zum 'einzig wahren Schulsystem', der allein auf dem Rücken von Schülern, Lehrern und Eltern ausgetragen wird, nun endlich in einen argumentativen Wettstreit um die Frage, wie die Qualität und Wertschätzung unseres öffentlichen steuerfinanzierten Schulsystems gewahrt und verbessert werden kann?

Gerade dieses öffentliche Schulsystem gilt es dauerhaft attraktiv, international sowie qualitativ konkurrenz- und damit zukunftsfähig zu machen. Eine Egalisierung, Standardsenkung und das Kleinreden von Leistungsanforderungen nützt jedenfalls nur jenen geschäftsmäßigen Anbietern, die Bildung und Erziehung zur hochpreisigen Ware machen wollen.

Es besteht Hoffnung, dass eklatante politsche Fehler zukünftig der Vergangenheit angehören: Während die Mehrheitsfraktion in der abgewählten CDU/FDP-Landesregierung in Düsseldorf zu lange an der traditionellen Schulstruktur festgehalten und den Akzeptanzverlust der Hauptschule ignoriert hatte, wollte die SPD noch im Wahlkampf unter der Führung von Hannelore Kraft  trotz innerparteilich ernsthaft und sachlich vorgetragener Warnungen flächendeckend und verbindlich die sogenannte Gemeinschaftsschule als die  'Eine Schule für alle' einführen.

Dieses ideologische Ziel musste ebenso dauerhaft vom Tisch wie der Verfassungsrang der Hauptschulen. Warum das starre Festhalten am Bestehenden ebenso in eine bildungspolitische Sackgasse führen musste wie der per Gerichtsentscheid gestoppte Modellversuch Gemeinschaftsschule nach dem Koalitionsvertrag der rot-grünen Minderheitsregierung, darüber können Sie auf schulstruktur.com auch rückblickend Informationen und Meinungen finden.

Schulstruktur.com wollte in den vergangenen Jahren
jenen Stimmen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Publizistik und dem Bildungswesen Gehör verschaffen, die mit dem Ziel einer besseren Vergleichbarkeit bundesweit die schrittweise Ermöglichung einer zweigliedrigen Schulstruktur befürworten, welche auch unter den Bezeichnungen Zwei-Wege-Modell oder Zwei-Säulen-Modell in die Debatte Eingang gefunden hatte. Das ist nötig, so unser Leitsatz von Beginn an, weil "politisches Lagerdenken differenzierte Sachargumente, den pädagogischen Realitätssinn und damit Chancen für bildungspolitische Kompromisse in der Strukturdebatte zu überdecken droht". (2007)

Schulstruktur.com wird weiterhin einer parteipolitischen Verengung in der Diskussion entgegengewirken und zugleich helfen, den Blick über die Ländergrenzen zu erweitern. Wer sich von einer Veränderung der Schulstruktur, etwa durch eine verlängerte Grundschulzeit (Primarschule), die weitere Verkürzung, Beeinträchtigung oder eine nur taktisch zurückgestellte Abschaffung des Gymnasiums ein Allheilmittel gegen die akuten oder chronischen PISA-Krisen verspricht, springt ohnehin zu kurz.


Es macht zuversichtlich, dass es schon heute viele ermutigende Beispiele für sinnvolles Lernen, individuelle Förderung, qualitativ guten Unterricht und eine demokratische Schulkultur im öffentlichen Schulwesen gibt.

Der sogenannte 'Schulkompromiss' in NRW mit einer geplanten Einführung der Sekundarschule als weiterer Schulform ruft vielleicht zunächst den Eindruck einer neuen Unübersichtlichkeit der Schulformangebote hervor. Auf den zweiten und genaueren Blick bietet er aber die reelle Chance, dass sich in den Städten und Gemeinden angesichts zurückgehender Schülerzahlen flexible und wohnortnahe Schulangebote aufrechterhalten lassen, die durch die Kooperation mit Gymnasien, Berufskollegs und Gesamtschulen nach oben hin anschlussfähig sind.

Für alle eine gute Schule wichtiger als  e i n e  Schulform für alle.

Dafür lohnen sich intensive Gespräche der Parteien - über die Koalitionsgrenzen hinweg.

Freundliche Grüße
Peter Pahmeyer


Online seit August 2007

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