Dokument 40 - Interview
von schulstruktur.com mit Prof. Jutta Allmendinger Ph. D. vom 5. August
2008 zur geschlechterbewussten Erziehung, Bildungsarmut und zur
Schulstrukturdebatte.
Junge Frauen und Männer mehr zum Reden miteinander bringen
schulstruktur.com:
Als engagierte Arbeitsmarktforscherin weisen Sie häufig auf den
Tatbestand hin, dass nicht einmal ein Viertel der Kinder aus Haushalten
mit nicht akademischem Hintergrund ein universitäres Studium aufnehmen.
Wie lassen sich die Bildungschancen dieser Kinder aus Ihrer Sicht
mittelfristig merklich erhöhen?
Prof. Allmendinger:
Die empirische Bildungsforschung ist sich über alle Disziplinen hinweg
einig. Wesentliche Ursache für die in Deutschland geringe Ausschöpfung
von Bildungspotentialen ist die frühe Zuordnung von Kindern in eine von
drei Schultypen bei nur geringen Möglichkeiten, die eingeschlagene
Laufbahn später zu revidieren. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit
einer späteren Trennung von Kindern, was eine Zusammenlegung von
Hauptschulen und Realschulen nahelegt. Hinzu kommen muss eine frühe und
individuell ausgerichtete Erziehung, Prävention ist wesentlich
erfolgreicher als nachträgliche Reparatur. Auch der Weg in die
Hochschule ohne die klassische Hochschulzulassung über ein Abitur ist
auszubauen.
schulstruktur.com:
In Ihren Untersuchungen konstatieren Sie bei jungen Frauen ein
erstarktes Selbstbewusstsein sowie den Wunsch, Beruf und Familie,
Karriere und Kinder miteinander verbinden zu wollen. Welchen Beitrag
sollten Schulen, können Schulen leisten, damit aus dem Wunsch eine
nachhaltige Wirklichkeit werden kann? [...]
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Dokument 39 - Dr. Andreas Reichel, Vorsitzender des FDP-Bezirksverbandes Ruhr, im Interview mit schulstruktur.com vom 3. Juni 2008.
Augen nicht vor veränderten Realitäten verschließen schulstruktur.com:Ihre Partei unternimmt Schritte in Richtung auf eine zweigliedrige Schulstruktur in Nordrhein-Westfalen. Das bildungspolitische Vorhaben trägt den Arbeitstitel "Regionale Mittelschule". Was haben wir uns darunter vorzustellen?
Dr. Andreas Reichel: Zunächst geht es – wie der Arbeitstitel schon andeutet – um mehr regionale Autonomie, also darum, bestehende Möglichkeiten Schulverbünde von Haupt- und Realschulen zu bilden weiterzuentwickeln. Unter dem Dach dieser regionalen Schulen soll es – ohne Genehmigungsvorbehalt des Landes - ein differenziertes Angebot an Abschlüssen und Bildungsgängen geben. Bildungsgänge könnten aber auch verzahnt werden, gemeinsamer Unterricht in Mathematik kommt dabei sicher seltener, gemeinsamer Sportunterricht umso häufiger in Frage.
schulstruktur.com:Im November will die FDP im Beisein von Bildungsexpertinnen und -experten auf einem Sonderparteitag über diese Thematik beraten und ihr Modell konzeptionell verfeinern. Nun ist es auch in ihrer Partei nicht einfach, in bildungspolitischen Streitfragen einen tragfähigen Konsens herbeizuführen. Wie erklären Sie Ihren Mitgliedern, warum wir nach 2010 in NRW eine "Regionale Mittelschule" benötigen?
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Dokument 37 - Interview von schulstruktur.com mit der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave vom 1. Mai 2008.
Gemeinschaftsschule entwickelt Grundgedanken der Gesamtschule konsequent weiter schulstruktur.com:In Schleswig-Holstein regiert gegenwärtig eine Große Koalition aus CDU und SPD. Ein Leitgedanke der von Ihnen verantworteten Schulpolitik beinhaltet die Ausdehnung der gemeinsamen Lernzeiten von Schülerinnen und Schülern in Verbindung mit einer stetigen Erweiterung des Angebotes von Ganztagsschulen. In welcher Weise wird sich die Schulstruktur Ihres Bundeslandes bis zum Ende der Wahlperiode im Vergleich zu deren Beginn verändert haben?
Erdsiek-Rave: Mit einem neuen Schulgesetz haben wir Anfang 2007 die Grundlage für ein neues Schulsystem geschaffen. Es setzt einen deutlichen Schwerpunkt auf die bessere und individuelle Förderung der einzelnen Schülerin und des einzelnen Schülers, längeres gemeinsames Lernen und eine höhere Durchlässigkeit des Systems. Das alles wird möglich in den neuen Schularten Gemeinschaftsschule und Regionalschule, die bis zum Schuljahr 2010/11 aus bestehenden Schulen entstehen. [...] schulstruktur.com: Warum benötigen wir eigentlich Gemeinschaftsschulen? [...]
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Dokument 29 - Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Rheinland-Pfalz im Interview mit schulstruktur.com vom 12. Dezember 2007
Foto: t.w.klein photography Reformen brauchen immer die Akzeptanz und Unterstützung der Betroffenen
schulstruktur.com: Vom Schuljahr 2009/10 werden in Ihrem Bundesland neue Leitlinien für die Schulentwicklung gelten. Sie erklärten kürzlich, Rheinland-Pfalz setze in Zukunft bei seiner Schulstruktur auf eine „Zweigliedrigkeit mit Plus“. Was verbirgt sich dahinter?
Doris Ahnen: Neben den Integrierten Gesamtschulen, deren Zahl in Rheinland-Pfalz seit Jahren wächst und künftig durch gesetzliche Änderungen noch einfacher weiter wachsen kann, soll das weiterführende Schulangebot künftig nur noch in Gymnasien und die neue „Realschule plus“ gegliedert sein. Die „Realschule plus“ vereinigt dabei den Hauptschul- und den Realschulbildungsgang unter einem Dach. Sie ermöglicht ein längeres gemeinsames Lernen – insbesondere in der verbindlichen gemeinsamen Orientierungsstufe. In der integrativen Form der „Realschule plus“ – der Regionalen Schule – werden Schülerinnen und Schüler sogar durchgehend integrativ oder teilintegrativ unterrichtet. Die „Realschule plus“ bietet zudem zusätzliche Fördermöglichkeiten gerade für schwächere Schülerinnen und Schüler an. Das reicht von der Senkung der maximalen Klassengröße auf 25 Schülerinnen und Schüler in der Orientierungsstufe bis hin zum Projekt „Keiner ohne Abschluss“ für alle, die nach neun Schuljahren noch nicht die Berufsreife erreicht haben. [...]
schulstruktur.com: Besteht nicht die Gefahr, dass der Kooperativen Realschule und der Regionalen Schule auf mittlere Sicht ein ähnliches Schicksal drohen wie der Schulform Hauptschule? [...]
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Dokument 35 - Der renommierte Bielefelder Bildungsforscher Klaus Hurrelmann fordert seit Langem, dass Kinder länger gemeinsam lernen sollten. Die geplante Hamburger Schulreform hält er für eine mutige Idee, die jedoch durch gravierende Konstruktionsfehler konterkariert wird. Diese könnten die soziale Auslese noch verstärken, sagt Hurrelmann im Interview mit Insa Gall. (Quelle: welt.de, 16.04.2008) 
Bildungspolitik / Experte sieht geplante Schulreform skeptisch WELT ONLINE: In Hamburg sollen künftig alle Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Was halten Sie von diesem Schulmodell?
Klaus Hurrelmann: Das Vorhaben ist ein sehr kühner Schritt. Es ist sinnvoll, den Versuch zu machen, die Kinder länger gemeinsam zu unterrichten. Das fordern Fachleute schon seit Langem, auch um die Abhängigkeit der schulischen Laufbahn von der sozialen Herkunft zu mindern. Ob und wie sich diese gute Idee allerdings umsetzen lässt, ist die große Frage, weil wir in ein seit Jahrzehnten gewachsenes Schulsystem eingreifen. Man sollte sich unbedingt die Erfahrungen in Berlin anschauen. Sie zeigen, dass es Probleme gibt, die Grundschule so auszustatten und zu organisieren, dass sie wirklich allen Kindern gerecht wird. Dreh- und Angelpunkt ist die Frage, wie sowohl starke als auch schwache Kinder das nötige Maß an Förderung bekommen.
WELT ONLINE: Kritiker befürchten, dass die leistungsstarken Kinder an der Primarschule nicht so viel lernen wie auf dem Gymnasium. [...]
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Dokument 41 - Interview von schulstruktur.com
mit Dr. Walter Scheuerl, Sprecher der Hamburger Volksinitiative „Wir
wollen lernen“ - Für den Erhalt der Hamburger Gymnasien ab Klasse 5,
vom 17. September 2008 zur schwarz-grünen Schulreform.
Schulstruktur.com:
Herr Scheuerl, die Hamburger Bildungssenatorin möchte mit ihrer Reform
mehr soziale Gerechtigkeit und zugleich ein Mehr an Leistung erreichen.
Frau Goetsch weist als zuständige Bildungssenatorin auf
wissenschaftliche Untersuchungen hin, die belegten, "dass
leistungsschwächere Schüler davon profitieren, während
leistungsstärkere keine Nachteile haben." Die Kinder würden zum
gegenseitigen Vorteil voneinander lernen. Was spricht dagegen, Kindern
unabhängig von der sozialen Herkunft ihrer Eltern Bildungserfolge zu
ermöglichen? Werden Kinder nicht zu früh und oft falsch nach
unterschiedlichen Schulformen sortiert?
Walter Scheuerl:
Die Antwort auf die Frage ist ein klares: Nein. Bisher wird ja gar
nicht sortiert, sondern jede Familie entscheidet selbst für ihr Kind,
welche weiterführende Schulform ab Klasse 5 das Kind besucht. Das ist
kein Sortieren, sondern das Ausüben des Elternwahlrechtes. Ein
Sortieren möchte Senatorin Goetsch jetzt aber einführen, indem ihr
Modell vorsieht, dass künftig nicht mehr die Eltern, sondern die
Zeugniskonferenz (am Ende von Klasse 6) verbindlich vorgeben soll,
welche Schulform die Kinder besuchen.
Schulstruktur.com: Aber Frau Goetsch beruft sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse...
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Dokument 23 - Sascha Steuer, Bildungspolitischer Sprecher der Berliner CDU, im Interview mit schulstruktur.com vom 27. Oktober 2007.
"SCHULEN MÜSSEN AUFSTIEGSSCHULEN SEIN!"
schulstruktur.com: Sie arbeiten mit Ihrer Fraktion bekanntlich an einem von Ihnen als "Masterplan" bezeichneten Bildungskonzept für Berlin. Warum ist eine Neuausrichtung der CDU-Bildungspolitik erforderlich?
Sascha Steuer: Es geht nicht um eine Neuausrichtung. Wir wollen vielmehr die Zeit zwischen den Wahlen gut nutzen und uns auch Gedanken über Grundlegendes machen und nicht nur alltägliche Bildungspolitik machen, wie SPD und PDS zur Zeit. Die schlechten Rahmenbedingungen des Berliner Schulsystems haben sich über Jahrzehnte hin entwickelt, auf neue Herausforderungen wurde eben oft kurzfristig und selten konzeptionell reagiert. Deshalb schreiben wir nun ein Konzept, das gut durchdacht und integriert ist.
schulstruktur.com: In verschiedenen Bundesländern strebt Ihre Partei eine schrittweise Zusammenlegung von Real- und Haupt- sowie Gesamtschulen zu so genannten
Stadtteil- oder Sekundarschulen an. Den Kindern sollen damit neben einem achtjährigen Gymnasium in einem neun Jahre umfassenden Bildungsgang Abschlüsse bis hin zum Abitur ermöglicht werden. Gehen Sie davon aus, dass eine organisatorisch ausgerichtete Strukturreform des Berliner Schulsystems das Leistungsniveau im internationalen Vergleich in der Breite zu erhöhen vermag? Droht nicht dieser neuen Schulform mittelfristig das Schicksal der Hauptschulen? [...]
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Dokument 17 - Interview mit Prof. Dr. Rainer Dollase von der Universität Bielefeld - Abt. Psychologie - vom 7. Oktober 2007.
schulstruktur.com: Welche Chancen und Risiken sehen Sie in der sogenannten Schulstrukturdebatte?
Prof. Dr. Rainer Dollase: Das Gute an der Schulstrukturdebatte ist, dass Gegner wie Befürworter von dem ernsthaften Willen beseelt sind, die Schule zu verbessern. Wenn es Befürwortern und Gegnern tatsächlich darum geht, dass unser Schulsystem und unser Unterricht so gestaltet wird, dass unser Nachwuchs „fit for life“ (wie der Slogan des internationalen PISA-Konsortiums lautet) gemacht wird, dann kann dabei nur etwas Positives herauskommen. Nachteil ist aber, dass Schulstrukturfragen sofort in das typische Schwarz-Weiß-Denken parteipolitisch in Konfrontation stehender Gruppierungen geraten und dass bei Gegnern und Befürwortern der pragmatische Blick auf die Probleme des Alltags verloren geht. Eine überflüssige ideologische und „Life-style“Kontroverse zwischen „Progressiven“ und „Bewahrern“ droht.
schulstruktur.com: Wie beurteilen Sie die These, die Persönlichkeiten von Lehrerinnen und Lehrern, ihr Menschenbild sowie deren didaktisch-methodische Kompetenzen seien mehr als die Schulstrukturen für den Erfolg von Schule und Unterricht verantwortlich? [...]
Gesamtes Interview zum:
Dokument 15 - Interview mit Prof. Dr. Jürgen Oelkers vom 13. September 2007
SCHLUSS MIT DER ZUGESPITZTEN ENTWEDER-ODER-DEBATTE
schulstruktur.com: Wie beurteilen Sie die These, durch eine Umstrukturierung der mehrgliedrigen deutschen Schulsysteme in Richtung auf skandinavische Schulstrukturen ließe sich ein höheres Maß an "Chancengerechtigkeit" erreichen?
Prof. Dr. Oelkers: Über Chancengleichheit oder Chancengerechtigkeit wird seit dem 19. Jahrhundert intensiv diskutiert, ohne dass so recht klar geworden wäre, was mit dem Begriff genau bezeichnet werden soll. Alle Bildungssysteme sind in der einen oder anderen Form selektiv. Keine Kohorte oder kein Schülerjahrgang erreicht gleiche Ziele oder Abschlüsse. Der Blick nach Skandinavien unterschätzt die Verschiedenheit der Gesamtschulen, die jeweils von verschiedenen historischen Ausgangspunkten entwickelt wurden. [...]
schulstruktur.com: Die Überschrift "Die beste Bildung für alle" ziert das Bildungskonzept der SPD-NRW. Was denkt sich eigentlich ein Beobachter mit der Draufsicht der Schweizer Bergwelt bei der Lektüre des Beschlusses, insbesondere mit Blick auf die Ausführungen zur angezielten flächendeckenden und verbindlichen Einführung der Gemeinschaftsschule? [...]
Das gesamte Dokument gibt es hier zum:

"Einen Mittelweg" finden“
Schulstruktur.com: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass das Konzept einer zweigliedrigen Schulstruktur über die Klippen parteipolitischen Schlagabtausches gerettet unddauerhaft erfolgreich verankert werden kann?
Heinemann: Diese Frage hängt maßgeblich von dem Ausgang der Bürgerschaftswahl im Februar 2008 und von einem möglichen Volksentscheid über die "Schule für alle" ab, der von GEW, GAL (Grüne), Linkspartei und einigen prominenten SPD-Abgeordneten unterstützt wird. Sofern die CDU auch in der nächsten Legislaturperiode in Hamburg regiert und das Volksbegehren keinen Erfolg hat, wird der Vorschlag der Hamburger Enquete-Kommission mit Sicherheit umgesetzt. Andernfalls halte ich es für nicht unwahrscheinlich, dass die Gymnasien binnen kurzer Frist zugunsten einer Einheitsschule abgeschafft werden, da sich Frau Ernst auch in der SPD zuletzt leider nicht mehr durchsetzen konnte.
Schulstruktur.com: Kritiker bemängeln, Sie hätten sich gleich auf ein integratives Schulkonzept, auf "eine Schule für alle Kinder" nach skandinavischem Vorbild einigen sollen. Was antworten Sie ihnen? [...] Gesamtes Interview zum: